
Dreifaltigkeitssonntag A // zum Fest und zur zweiten Lesung
Was ist über die Dreifaltigkeit nicht schon alles geschrieben worden, hätten Menschen Einblick in das Wesen Gottes und wäre unser Erkennen nicht nur immer ein Blick durch ein Schlüsselloch. Eine Gottheit in drei Personen - also drei Masken, denn das ist eine antike persona: eine Theatermaske, am ehesten vergleichbar mit dem Hääs aus der badischen Fasnacht, die eben keine Individualität, sondern einen Typus ausdrücken soll. Durch die Maske klingt die Stimme hindurch, daher kommt ihr Name: per-sonare, durch-klingen. Und schon hat das Bild zwei Aspekte: Es ist ein Gesicht, ein weltzugewandtes Gesicht Gottes, und eine Stimme, die klingt.
Das tut sie dreifach: Im Bild des Vaters, des Sohnes und der Heiligen Geistkraft. Es sind Bilder, nicht mehr und nicht weniger. Jedes dieser Bilder und auch das Bild der Dreifaltigkeit ist Gott immer unähnlicher als ähnlich, so formuliert es das 4. Laterankonzil im frühen 13. Jahrhundert (1213-1215), und diese Formulierung fand es ausgerechnet in einer Debatte um die Dreifaltigkeitstheologie des Petrus Lombardus. Das ist schwierig, aber wichtig: Jedes Bild von Gott trifft Gottes Wirklichkeit zu einem kleinen Teil. Zum größeren Teil ist Gott noch ganz anders als dieses Bild und mit dem Bild überhaupt nicht erfasst. Und: Jedes Bild ist ein Beziehungsangebot, keine Definition.
Wenn das Bild aber seinen Bildcharakter verliert, wenn es eine Definition wird und dann auch noch eine, die im Lauf der Zeit unverständlich geworden ist, weil sich grundlegend geändert hat, was Menschen etwa unter einer "Person" verstehen, dann wächst die Gefahr, dass es belanglos wird: Es hat dann nichts mehr mit dem eigenen Leben, Suchen, Hoffen zu tun. Aus einem Sprachspiel, das etwas erschließt, wird Glaubenswissen, das es zu erlernen gilt, aus Bildsprache wird ein Faktum. Dann aber beginnt das Spiel ein Eigenleben zu führen, es beginnen Spekulationen über Spekulationen, wie es nun sei mit Gott, dreifaltig, dreieinig.
Wenn ein Bild seinen Bildcharakter verliert, also überhaupt nicht mehr als Bild erkannt wird, dann ist das ein religiöses Problem, weil man dann ein Bild mit der Wirklichkeit Gottes selbst verwechselt. Das Bild wird verabsolutiert und eben nicht mehr als "immer unähnlicher als ähnlich" verstanden. Dann wird aus dem Bild, Gott sei wie ein Vater, eine Definition: Gott IST dann Vater, darf gar nichts anderes mehr sein, alle andere Weise, von Gott zu sprechen, erscheint dann als falsch: Damit ist ein Bild an die Stelle Gottes getreten, was im übrigen genau das ist, was das biblische Bilderverbot verhindern soll.
Ebenso geschieht es mit dem Sohn: Aus Jesus von Nazaret, der den Menschen die Fülle Gottes erschloss, wird über den Umweg der Weisheitstheologie der präexistente Sohn Gottes. Dummerweise wird dabei sein männliches Geschlecht zu einer Glaubensaussage: Gott sei, so wird es verkürzt und verzerrt oftmals geglaubt, in einem Männerkörper besser darstellbar, müsse also irgendwie mehr männlich als weiblich sein. Es sind vor allem männliche Theologen, die dem Männerkörper Jesu ein so starkes Gewicht geben und dabei indirekt bereit sind, anzunehmen, dass Gott sich mit Gestaltwechseln in die menschliche Geschichte hineingibt wie Jupiter oder Zeus. Offenbarung aber ist nicht, dem auf die Spur zu kommen, wie Gott sich zeigen will, sondern nachzuvollziehen, in wem Menschen Gott erkennen können. Und das konnten die ersten Jesusgläubigen gerade in diesem Menschen, der bereit gewesen war, sich der Kreuzigung nicht zu entziehen, die doch, wenn sie Männer traf, immer auch den beschämenden Verlust ihrer Männlichkeit bedeutete.
Der Geist schließlich bliebt immer ein bisschen unterbelichtet, man weiß nicht so genau, was mit ihm anfangen, wenn man wichtige Eigenschaften dieses Bildes aus der hebräischen Bibel nicht mehr kennt: Dass die Geistkraft, wenn sie Gott erschließen soll, immer weiblich ist und ihr Name, Ruach, ein lautmalerisches Wort ist für eine Luftbewegung, die man hören kann, und, darauf hat Helen Schüngel-Straumann hingewiesen, eng verwandt mit dem Wort Räwach, Weite - der laute Atem, der Weite schafft. Und die prominenten Erscheinungsorte der Ruach im menschlichen Leben sind darum die, in denen der laute Atem Weite schafft - Sex, Geburt und Sterben. Das sind zugleich die Situationen, in denen wir uns überlassen müssen und in denen wir darum eine bewahrende Umgebung brauchen, die mit Kräften zu tun haben, die größer sind als wir, heilige Situationen.
Es gibt noch andere Bilder für Gott, aber Dreier-Aufzählungen sind gut zu merken, sie sind rhythmisch und implizieren Vollständigkeit, nicht erst bei uns, sondern schon bei denen, die uns vor so langer Zeit vorausgegangen sind wie Paulus, der so eine Dreier-Aufzählung als rhythmisches Element in seinen Briefschluss an die Gemeinde in Korinth einbaut: Die befreiende Zuwendung unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft, die uns die heilige Geistkraft schenkt, sei mit euch allen! (2 Kor 13,13)
Mit dem Bild der Dreifaltigkeit wird etwas eigentlich sehr einfaches ausgesagt: Gott hat weltzugewandte Gesichter, es ist möglich, als Mensch Erfahrungen mit Gott zu machen. Und diese sind natürlich mit weiblichen Bildern genauso auszudrücken wie mit männlichen. Wenn Gott aufs Vatersein festgelegt wird, wird Gott zu klein gedacht. Wenn dieses Bild zu einem komplizierten Glaubensinhalt wird, zu Expertenwissen. dann kann das das Tor zum Machtmissbrauch öffnen: Dann gibt es Menschen, die im Punkt "Sprachfähigkeit" unterlegen sind, dann gelten eigene Erfahrungen im Zweifel weniger, dann werden Menschen klein. Das Bild der Dreifaltigkeit könnte aber eben auch Pate stehen dafür, dass es vielfältige Erfahrungen mit Gott gibt, dass Gott nicht auf einen Nenner zu bringen ist, dass es auf Seiten der Menschen, die immer nur ein kleines Stückchen Himmel sehen, keine exklusiven Wahrheitsansprüche zu vertreten gibt, sondern dass alles Sprechen von Gott immer zeitbedingt ist, bildhaft, vieldeutig. Der Dreifaltigkeitssonntag kann eine Einladung sein, die Vielfalt zu feiern.
Andere Texte zur Dreifaltigkeit:
zum Fest - Erklärung "Person" (2024) // zum Fest - Erklärung "Präexistenz/Dreifaltigkeit" (2025)
Lesejahr A: zur ersten Lesung (2023)
Gott&ich (2022)
ein Gotteslied (2021)