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32. Sonntag im Jahreskreis A // zum Evangelium

Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen. Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zu den Händlern und kauft für euch selbst. Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf! Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde. 

(Mt 25,1-13, LUT)

Ein Evangelium, das viele mit zwiespältigen Gefühlen zurücklässt. Man muss bereit sein, es gibt ein "zu spät" im Leben, das endgültig ist, Entscheidungen sind wichtig: Wachet! Aber da ist auch ein unbarmherziger Bräutigam, steht er für Gott? Wer wäre Gott dann? Und wie ist das mit dem Einlass in die Welt Gottes, wird "dort" wirklich gnadenlos ein- und aussortiert? Und steht das eigentlich da? 

Die Szene ist die einer altorientalischen Hochzeit: ein großes Fest für das ganze Dorf und eine Gelegenheit für die Armen, sich satt zu essen und etwas Geld zu verdienen. Denn die Mädchen, die als Teil der feierlichen Prozession die Braut zum Haus des Bräutigams begleiten, dabei mit Fackeln leuchten, musizieren und tanzen, sind nicht einfach Freundinnen der Braut. Sie sind ein Teil der Szenerie so wie die Klagefrauen bei Bestattungen. Als Mädchen im heiratsfähigen Alter, die noch nicht verheiratet sind - das ist alles, was das Wort "Jungfrau" bedeutet, es ist ein sozialer Begriff, keine Aussage über sexuelle Erfahrungen, seien sie freiwillig, seien sie unfreiwillig gemacht worden -, als Mädchen im heiratsfähigen Alter müssen sie zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. Dafür ist eine Hochzeit eine willkommene Gelegenheit, aber es gibt einen Haken: Sie müssen in Vorleistung gehen und sich ihre Ausstattung kaufen. 

Nun haben sie ihre Fackeln, aber es gibt kein fröhliches Fest, sondern eine Wartezeit von ungewisser Dauer. Der Bräutigam lässt die Gesellschaft warten. Wo ist die Braut? Wo sind die Eltern? Und als der Bräutigam endlich da ist, ist es für ein fröhliches Fest zu spät. Diejenigen, die zu arm waren, um sich mit Vorräten zu versorgen, bleiben außen vor, ihnen wird die Tür vor der Nase zugeschlagen. Wir sind gewohnt, in der Zuschreibung "töricht" ein Urteil zu lesen: Nicht aufmerksam genug und irgendwie selber schuld. Im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth verwendet Paulus aber das gleiche Wort: "...was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache..." (1 Kor 1,27) Für welche Wirklichkeit öffnet sich der Text, wenn wir dieses Wort darum anders lesen denn als Abqualifizierung, etwa als "bildungsbenachteiligt"? Auch heute bei uns ist Bildung sehr eng an Wohlstand gekoppelt: Wer in Armut aufwächst, erwirbt auch weniger Bildung. Wenn die törichten Jungfrauen die sind, auf die die Gesellschaft herabblickt, die, die zu arm sind, um Pläne zu machen und vorzusorgen, die von der Hand in den Mund leben, was erzählt der Text dann? Sie bleiben außen vor. Hier wird gnadenlos eingeteilt in drinnen und draußen. Wer hier bittet, die wird nicht empfangen, wer hier klopft, der wird nicht aufgetan, ganz anders als in der Zusage Jesu weiter vorn im Evangelium (Mt 7,7-11 par.). Luzia Sutter Rehmann hat darauf hingewiesen, dass es eine patriarchale Hörgewohnheit ist, die Autoritätsperson in einer Geschichte automatisch mit Gott gleichzusetzen: So wird Gott zu einer Instanz, die uns gnadenlos einteilt in Brauchbare und Unbrauchbare. 

Jesus erzählt das, jedenfalls schreibt Matthäus es so auf, zwei Generationen später. Was erzählt Jesus? Der Schlusssatz fordert zum Wachen auf. Aber dass die Mädchen geschlafen hatten, war ja gar nicht das Problem gewesen. Alle hatten geschlafen. Und wenn man den Text nun fragt, was mit denen vor der Tür ist, dann stellt sich eine weitere Frage: Wo ist Gott in dieser Geschichte? Wo ist Gott, wenn aus einem fröhlichen Fest eine finstere Veranstaltung wird? Wo ist Gott, wenn die, die ohnehin die schlechteren Startbedingungen hatten, das Nachsehen haben? Wo ist Gott, wenn jede nur nach sich selber schauen kann?

In der Christentumsgeschichte hat insbesondere die Frage nach dem Öl viele Antworten gefunden. Das Öl mag für die innere Bereitschaft stehen, für eine Haltung, für eine Ausrichtung des eigenen Lebens – für das, was kein anderer uns abnehmen kann, was sich nicht delegieren lässt, wo es auf uns selbst ankommt. Es mag auch dafür stehen, aus welchen Quellen wir leben, welche versiegen können und welche nicht. Dass Quellen wie öffentliche Anerkennung, Leistung, Erfolg nur vordergründig nähren, dass wir, wenn wir uns auf sie verlassen, leicht ausbrennen wie eine Lampe ohne Vorrat, in den Burnout rutschen und dass dann, wenn es darum geht, wer wir sein wollen, nicht mehr genug von uns übrig ist, dass wir mühsam wieder zu Quellen der Lebendigkeit finden müssen. Die Antworten, die Warnungen können uns etwas erschließen. Aber dass Gott uns die Tür vor der Nase zuschlägt wie dieser rücksichtslose Bräutigam, das passt nicht zu dem, wie die Bibel, wie Jesus sonst von Gott erzählt. 

Vielleicht ist das Dröhnen dieser zugeschlagenen Tür eher ein Echo aus der Gemeinde, für die Matthäus schreibt. Dann ist zu hören, was passiert, wenn eine Gemeinschaft unter Druck gerät, die Reihen schließt, einteilt in Dazugehörige und Außenstehende. Man kann darin hören, wie drängend die Fragen nach dem eigenen Bestehen werden, wenn die finstere Gegenwart nicht in die Endzeit mündet, sondern die Militärdiktatur, die immer gnadenlosere Unterdrückung andauert, für unabsehbar lange Zeit. Es waren ja bedrohliche und zutiefst bedrückende Zeiten, Zeiten, in denen man sich durchaus eine verschlossene Tür wünschen mochte. Später in der Kirchengeschichte hat dieser Text ein Echo, das davon spricht, was passiert, wenn Menschen sich zu sicher sind darin, wer drinnen ist (wir) und wer draußen (die anderen): Christinnen und Christen identifizieren sich am liebsten und leichtesten mit den fünf klugen jungen Frauen. Oft genug kann man das auch sehen, an Kirchenportalen, wo dann sogar noch Bildwelten kombiniert werden wie in Freiburg oder Erfurt, wo die fünf klugen jungen Frauen an der Seite der Ecclesia stehen, die fünf naiven aber an der Seite der Synagoge. 

Noch einmal: Wo ist Gott in dieser Geschichte? Wenn die Törichten die sind, auf die die etablierte Gesellschaft herabschaut, die Kleinen, deren das Himmelreich ist - vielleicht ist dann Gott bei denen, denen der ungerechte Bräutigam die Tür vor der Nase zuschlägt. Wenn die Welt sich verfinstert, wenn aus dem Fest für das ganze Dorf eine geschlossene Gesellschaft wird, wenn nur Einlass bekommt, wer für sich selbst sorgen kann, dann ist Gott auf der Seite derer vor der Tür. Dann klopft Gott mit an. Und wir müssen wachen, um zu erkennen, wann die Zeiten grausam werden und Menschenfeindlichkeit Boden gewinnt, damit wir uns nicht gewöhnen. Damit wir die Türen, die Menschen trennen in die Brauchbaren und die Unbrauchbaren, nicht für normal oder gar gerecht halten. Ihr wisst nicht, sagt Jesus, wann ihr wirklich unterscheiden müsst, ob ihr beim Fest Gottes seid oder bei einer Siegesfeier der Mächtigen.

Nun bekommen wir vielleicht keine hundertprozentige Auflösung dieser Geschichte hin. Es geht nicht restlos auf, es bleibt Unverständliches. Vielleicht war Jesus jemand, mit dem die Seinen auch nicht immer auf einen Nenner kamen. Jemand, der ihnen die Widersprüchlichkeit ihrer Welt in Gottes Hand zeigte, der die Widersprüchlichkeiten selber aushalten musste, all das, was einer guten Ordnung widerspricht. Vielleicht hat uns manche Pointe nicht erreicht, weil Humor sich schlecht überliefern lässt. Vielleicht hat das Nacherzählen Stille-Post-Effekte gezeitigt. Umso wichtiger ist es, bei Geschichten wie dieser nicht an der Oberfläche zu bleiben, keine flache Drohpredigt daraus zu machen. Wir wissen nicht, wann wir vor verschlossenen Türen stehen, und für wessen Solidarität wir dann dankbar sein werden.

Zum Weiterlesen: Luzia Sutter Rehmann, Wut im Bauch. Hunger im Neuen Testament, Gütersloh 2026.