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29. Sonntag im Jahreskreis A // zum Evangelium

Darauf gingen die Pharisäer und Pharisäerinnen hin und fassten einen Beschluss, um ihn durch eines seiner Worte zu fangen. Und sie schickten ihre Jüngerinnen und Jünger mit Leuten des Herodes zu ihm, die ihn fragten: »Lehrer, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und in Wahrheit den Weg Gottes lehrst und dich nicht am Rang einer Person orientierst, denn du siehst die Person nicht an. Sage uns, was meinst du: Ist es erlaubt, dem Kaiser Kopfsteuer zu geben oder nicht?« Jesus erkannte ihre böse Absicht und sagte: »Ihr Scheinheiligen, warum wollt ihr mich auf die Probe stellen? Zeigt mir die Münze für die Kopfsteuer.« Sie brachten einen Denar zu ihm. Jesus sagt darauf: »Wessen Bild zeigt sie, und wovon spricht die Aufschrift?« Sie antworteten: »Vom Kaiser.« Da sagte er zu ihnen: »Gebt also dem Kaiser, was ihm gehört, und Gott, was Gott gehört.« Als sie das hörten, staunten sie, verließen ihn und gingen davon.

(Matthäusevangelium, Kapitel 22, Verse 15-21)

Kanonische Texte mögen einmal schlagfertige Antworten gewesen sein. Selber denken erlaubt. So sieht eine schlagfertige Reaktion auf eine Fangfrage aus. Ich versuche mir die Situation vorzustellen und merke einmal mehr den Graben der Zeit, fast 2000 Jahre trennen uns von diesem Wortwechsel, mindestens 1900 Jahre von ihrer ersten schriftlichen Version. Das ist von uns so weit entfernt wie wir von den Menschen im Jahr 3926: Unfassbar lang. 

Damals waren es die Römer: Militärisch übermächtig, durchorganisiert und effektiv. Sie überzogen den Mittelmeerraum mit ihrer Präsenz, ihren Forderungen und ihrer Währung. Die Währung trug gelegentlich auch explizite Botschaften, so die in einer gedemügten Frau dargestellte Provinz Judäa nach dem jüdischen Krieg. Die Antwort Jesu auf die Frage nach den Steuern sagt nicht nur "selber denken erlaubt" bzw. ist nicht nur eine geschickte Umgehung der aufgestellten Falle. Sie rückt auch die Dimensionen zurecht: Dieser Kaiser mit seiner Allgegenwart ist letztlich auch nur eine vorübergehende Erscheinung. Und sie entlarvt diejenigen, die die Frage gestellt hatten, weil sie bereit sind, das, was für andere eine Gewissensnot ist, zu einer Fangfrage zu machen. Die Antwort weist sie zurück.

Aber reicht das? Was tun, wenn es eine echte Frage ist? Wenn eine Regierung, eine Ideologie, eine Wirtschaftsweise die ganze erreichbare Welt mit ihrem Machtanspruch überzieht? Was tun, wenn man Teil dieser Welt bleibt und trotzdem eine andere Hoffnung in sich trägt? In der Zeit, in der das Matthäusevangelium geschrieben wurde, hatte die römische Armee ultimativ klargemacht, dass Widerstand zwecklos war. Bar Kochba sollte es einige Jahrzehnte später nochmals versuchen, in einem verzweifelten Aufstand ohne Aussicht auf Erfolg. Mit der schlagfertigen Antwort, geronnen zum kanonischen Zitat, mag das Leben in dieser gewaltdurchwirkten Welt erträglich geworden sein: Dann mag aus der Zurückweisung der Fangfrage ein Trost geworden sein: Gib dem Kaiser halt seine Steuern. Es bedeutet nichts. 

Aber der Grat ist schmal. Wenn eine ungerechte Regierung, eine Ideologie, eine Wirtschaftsweise Opfer fordert, darf man ihr dann geben, was sie beansprucht? Der Trost, dass es nichts bedeutet, ist so lange legitim, wie man keine effektiven Mittel hat, diesen Anspruch zu bestreiten. Diese Antwort ist nämlich auch eine Absage an das Selbstopfer um des Widerstands willen. Und zugleich ist sie eine Absage an diesen Machtanspruch. Sie macht klar, dass die Mächtigen nicht über die Gewissen herrschen können. Wer die Mittel hat, den Machtanspruch zurückzuweisen, ist durch diese zum kanonischen Zitat geronnene schlagfertige Antwort nicht der eigenen Verantwortung enthoben. Das gilt, wenn man sich der übermächtigen Kultur der Frauenverachtung gegenüber sieht genauso wie für das Leben unter einer Regierung, die bereit ist, demokratische Grundwerte abzuschaffen. Man kann sich durch Witz und Schläue eine Weile der Konfrontation entziehen. Zu zeigen, dass man das alles nicht so ernst nimmt, mag das Leben für die, für die es bitterer Ernst ist, für eine Weile etwas leichter machen. Aber wenn es darauf ankommt, wer man sein will, braucht es mehr als eine schlagfertige Antwort.